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Komitee für Hadronen- und Kernphysik
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Brief an BMBF 11.02.2004


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Komitee für Astroteilchenphysik KAT
Rat Deutscher Sternwarten RDS
Komitee für Elementarteilchenphysik KET
Komitee für Hadronen- und Kernphysik KHuK
Kommission Erforschung der kondensierten Materie mit Großgeräten KEKM
Die Vorsitzenden

11. Februar 2004

Frau
Edelgard Bulmahn
Bundesministerin für Bildung und Forschung
Hannoversche Str. 28-30
 
D-10115 Berlin

Sehr geehrte Frau Ministerin,

mit der Verbundforschung an Großgeräten steht dem Bund eines der effizientesten Förderinstrumente in der deutschen Forschungslandschaft zur Verfügung. Sie fördert das enge Zusammenwirken von Wissenschaftlern aus Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit den vorwiegend aus Bundesmitteln finanzierten Großgeräten in nationalen und internationalen Forschungszentren. Mit diesem Instrument hat Deutschland einen internationalen Spitzenplatz in der Grundlagenforschung an Großgeräten errungen und eine junge, international wettbewerbsfähige Forschungselite herabgebildet. Nun droht dieses tragende Fundament der Forschung als Folge der schwierigen Haushaltslage irreparable Schäden zu erleiden.

Aus Besorgnis über diese Entwicklung wenden wir uns an die verantwortlichen Ausschüsse des Deutschen Bundestages und das Ministerium für Bildung und Forschung. Wir, die Unterzeichner, sind die gewählten Vorsitzenden der Komitees, die über 6000 an und mit Großgeräten forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland repräsentieren. Die von uns vertretenen Forschungsbereiche zeichnen sich durch weltweite und interdisziplinäre Kollaboration aus und haben wesentlichen Anteil am wissenschaftlichen Fortschritt in der Physik, Chemie, Biologie, Medizin und den Materialwissenschaften.

Viele der zentralen Fragen der modernen Grundlagenforschung und manche anwendungsrelevante Fragestellungen können ohne den Einsatz von Großgeräten, zum Beispiel Synchrotronstrahlungsquellen, Teilchenbeschleuniger und Großteleskope, nicht beantwortet werden. Entwicklung, Bau und Betrieb solcher Anlagen und Geräte bereiten auch den Boden für neuartige technologische Anwendungen. Es ist unbestritten, dass die Grundlagenforschung eine der wichtigsten Quellen für Innovation in Wissenschaft und Technik darstellt und für die menschliche Kultur und Gesellschaft unverzichtbar ist. Ihr oberstes Ziel ist die Erweiterung der menschlichen Erkenntnis. Dies übt besonders auf junge Menschen eine große Anziehungskraft aus und fördert die Elitebildung in den nachwachsenden Generationen. Grundlagenforschung baut auch das Fundament für zukünftige anwendungsorientierte Forschung bis hin zur Entwicklung innovativer Produkte für den Weltmarkt. Aus diesen Gründen hat die Grundlagenforschung für ein hoch industrialisiertes Land wie Deutschland eine zentrale Bedeutung. Die Forschung mit Großgeräten ist ein unersetzlicher Teil der Grundlagenforschung und eine besonders gewinnbringende Investition in die Zukunft unseres Landes.

Die erkenntnisorientierte Grundlagenforschung ist ausschließlich auf Finanzierung durch öffentliche Mittel angewiesen. In Deutschland wird sie vom Bund und von den Ländern gemeinsam getragen, entweder direkt oder über Institutionen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die außeruniversitären Forschungsinstitutionen. Die Grundlagenforschung an den deutschen Universitäten wird zu einem großen Teil von den Ländern finanziert, hauptsächlich durch die Bereitstellung von Personal, Werkstätten und allgemeiner Infrastruktur. Diese Grundausstattung erlaubt es jedoch den Universitätsgruppen nicht, sich am Aufbau und Betrieb sowie an der Nutzung von Großgeräten zu beteiligen. Forschung mit Großgeräten ist der Natur nach instituts- und länderübergreifend und liegt daher überwiegend in der Verantwortung des Bundes. Bisher in der Bund dieser Verantwortung durch die Förderung von Universitätsgruppen im Rahmen der BMBF-Vmbundforschung äußerst effizient und erfolgreich nachgekommen.

In der Tat hat die Verbundforschung herausragende Erfolge aufzuweisen. Der im Vergleich zur Gesamtinvestition in die Grundlagenforschung durch Bund und Länder geringe Förderanteil erfüllt eine entscheidende Katalysatorfunktion und erzielt damit eine hohe Wertschöpfung. Er ermöglicht Spitzenforschung mit Großgeräten, deren Ergebnisse von hoher, oft einzigartiger wissenschaftlicher Qualität sind. Deutsche Forschergruppen konnten sich im internationalen Wettbewerb hervorragend positionieren und sind auf einigen Gebieten weltweit führend. Im Lande führte die Verbundforschung durch die enge Vernetzung von Universitätsfachbereichen mit Exzellenzzentren und Großforschungseinrichtungen zu einer erheblichen Steigerung von Effizienz und Synergie. Die Forschung mit Großgeräten bietet gegenwärtig für mehrere Tausend Diplomanden, Doktoranden und Postdoktoranden herausragende Ausbildungsmöglichkeiten an der vordersten Front der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung. Hier lernen Nachwuchswissenschaftler und -ingenieure neuartige Herausforderungen in internationaler Teamarbeit zu meistern, eine Fähigkeit der zukünftigen Leistungsträger in den verschiedensten Berufen, von der unsere gesamte Wirtschaft und Gesellschaft profitiert. Garant für diese Erfolgsbilanz ist ein strenges Auswahlverfahren im wissenschaftlichen Wettbewerb.

Der Erfolg der Forschung mit Großgeräten kann nur bei einer Fortführung der gezielten und höchst effizienten Förderung im Rahmen der Verbundforschung gesichert werden. Wir sind uns der knappen öffentlichen Kassen bewusst. Umso mehr halten wir es für unsere Pflicht, auf die dramatischen und nicht umkehrbaren Konsequenzen einer auch nur zeitlich begrenzten Kürzung der Förderung der Grundlagenforschung an Großgeräten hinzuweisen, die mit erheblichen Bundesmitteln finanziert werden. Der Schaden für den Wissenschaftsstandort Deutschland würde in keinem Verhältnis zu den vergleichsweise geringen finanziellen Einsparungen stehen.

Im Namen der dieser Forschung verpflichteten deutschen Wissenschaftler/innen, Ingenieure/innen und Techniker/innen appellieren wir an Sie, eine weitere Reduzierung der Verbundforschung an Großgeräten zu verhindern und die Förderung zumindest auf den Stand von 2002 zu bringen und zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Prof Dr. J. Blümer
(Vorsitzender des Komitees für Astroteilchenphysik)

Prof. Dr. G. Hasinger
(Vorsitzenden des Rates Deutscher Sternwarten)

Prof Dr. R. Rückl
(Vorsitzender des Komitees für Elementarteilchenphysik)

Prof Dr. H. Ströher
(Vorsitzender des Komitees für Hadronen- und Kernphysik)

Prof Dr. E. Umbach
(Vorsitzender der Kommission "Erforschung der kondensierten Materie mit Großgeräten" als Dachorganisation der Forscher mit Synchrotonstrahlung, Neutronen, Ionen und nuklearen Sonden)